Die Birkenmaus ist klein, hat einen langen Schwanz und einen dunklen Aalstrich.

Beschreibung

Die Waldbirkenmaus (Sicista betulina) - der einzige Vertreter der Nagetierfamilie der Springmäuse (Dipodidae) in Deutschland - ist vermutlich die seltenste Säugetierart in Schleswig-Holstein und zählt zu den seltensten Arten in ganz Deutschland. Sie ist in Deutschland streng geschützt und auf dem Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt.

Die Oberseite des Körpers ist meist gelbgrau mit schwärzlicher Strichelung und weist einen charakteristischen Aalstrich (dunkler Streifen) auf. Die Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von max. 7 cm und eine Schwanzlänge von 8-10 cm. Mit einem Gewicht von 5-11 g ist sie - zusammen mit der etwa gleich großen Zwergmaus Micromys minutus - damit das kleinste heimische Nagetier.

Die Verbreitung der Birkenmaus in Mitteleuropa
(Quelle: EEA)
Die bekannten und aktuellen Fundorte der Birkenmaus in Deutschland
(Quelle: www.bfn.de)

Verbreitung in Mitteleuropa

Die Waldbirkenmaus kommt in Nord- und Mitteleuropa vereinzelt und erst wieder ab Ostpolen mehr oder weniger flächenhaft vor (Quelle: EEA). Die wenigen Nachweise aus Deutschland kommen entweder aus Landesteilen Bayerns (z.B. Bayerischer Wald) oder aber aus Schleswig-Holstein. Die isolierten Vorkommen in Mittel- und Westeuropa stellen vermutlich Eiszeitrelikte dar.

In Dänemark kommt die Birkenmaus in einem kleinen Landschaftssauschnitt im äußeren Nordwesten Jütlands (dort allerdings derzeit noch in recht individuenreichen Populationen) sowie in vermutlich nur kleineren Populationen im Süden Jütlands vor (Jensen & Möller 2007). Im sonstigen Skandinavien existieren ebenfalls nur Reliktareale. Im Rahmen eines aktuellen Erfassungsprojekts in Dänemark wurden 2007 und 2008 neue Fundpunkte im Süden Dänemarks bekannt. Die Bearbeiterin des dänischen Birkenmausprojekts (www.birkemusen.dk) geht davon aus, dass es weitere bisher unentdeckte Vorkommen zwischen Haderslev und der deutsch-dänischen Grenze und darüber hinaus geben müsste.

Im Norden Deutschlands wurde die Art bislang ausschließlich in Schleswig-Holstein im Naturraum Angeln sicher nachgewiesen. Derzeit liegen aus dem Zeitraum von 1936 (Erstnachweis für Deutschland im Tolker Moor durch die Zoologin Erna Mohr) bis 2002 (letzter Nachweis durch Dr. P. Borkenhagen in Eulengewöllen bei Brodersby) nur 7 als gesichert einzuschätzende Nachweise der Art vor. Lebende Tiere wurden bisher offenbar nur von einem Landwirt in ANgeln gesehen und z.T. auch gefangen. Drei weitere Meldungen kommen aus Moorgebieten im Südosten des Landes (z.B. Wulfsdorfer Heide b. Lübeck, Brenner Moor bei Bad Oldesloe und aus dem Koberger Moor). Keine dieser Meldungen konnte jedoch bislang durch einen glaubhaften Beleg bestätigt werden, so dass der Status der Art außerhalb Angelns derzeit unklar ist.

Auch die Birkenmaus hält Winterschlaf
(Quelle: P. S. Pallas "Novae species quadrupedum")
Eine Birkenmaus in der Eimerfalle
(Foto: Julie Dahl Möller)

Lebensweise

Als Lebensraum bevorzugt die Birkenmaus vor allem bodenfeuchte, stark von Vegetation strukturierte Flächen wie Moore und Moorwälder, Seggenriede oder auch Verlandungszonen von Gewässern. Typischerweise soll sie in moorigen Birkenwäldern leben (Name!). Die Meldungen aus Schleswig-Holstein stammen aus relativ isoliert liegenden Moorgebieten. Die dänischen Populationen kommen vor allem in Küsten-Krähenbeerheiden und teils auch innerhalb der „normalen“ Agrarlandschaft vor.

Die Tiere sind meist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie können hervorragend klettern und nutzen daher - wie die Zwergmaus - auch die höheren Strauchschichten zur Nahrungssuche. Durch die Nachtaktivität, die langen Ruhephasen und die Bevorzugung dichter Vegetation ist die Art allerdings recht schwer gezielt nachzuweisen. Gezielte Fänge werden zudem erschwert, weil die Art mit den übglichen Kleinsäuger-Lebendfallentypen kaum nachgewiesen werden kann.  

Birkenmäuse fressen vor allem Grassamen, Beeren und Früchte, aber auch Insekten. Aufgrund ihrer geringen Größe und des hohen Energieumsatzes verfallen die Tiere vor allem bei kühler Witterung oft in eine „Tageslethargie“ (Torpor), um Energie zu sparen. Die Tiere halten zudem bis zu 8 Monate Winterschlaf, während dessen sie von ihren Fettvorräten zehren. Sie  suchen dazu meist eine Erdhöhle auf. Ihr Gewicht beträgt im Herbst max. rd. 12 Gramm und reduziert sich nach dem Winterschlaf auf etwa 6 Gramm. Aktiv sind die Tiere von Anfang Mai bis Oktober. Die Paarung findet meist in den Monaten Mai/Juni statt. Nach 25 Tagen Tragzeit kommen bis zu 6 blinde Junge zur Welt.  

Verwechslungsmöglichkeiten

Eine Brandmaus (Apodemus agrarius), man beachte den nicht ganz die Körperlänge erreichenden Schwanz
Foto: C. Herden
Die Birkenmaus (Sicista betulina) ist kleiner und hat einen mehr als körperlangen Schwanz
Foto: G. Augustin
Beide Arten im direkten Vergleich

Die Birkenmaus wäre aufgrund ihres Aalstriches unverkennbar - wenn nicht die Brandmaus (Apodemus agrarius) ebenfalls diesen leicht und oft schon im "Vorbeihuschen" erkennbaren Streifen besäße...

Deshalb listen wir Ihnen die "leicht" erkennbaren Unterscheidungsmerkmale der beiden recht ähnlich aussehenden Arten auf:

Schwanzlänge

  • Birkenmaus: ca. 1,5 fache Körperlänge
  • Brandmaus: max. Körperlänge, meist kürzer

Gewicht

  • Birkenmaus: meist unter 10 g, nie über 16 g
  • Brandmaus: bis 25 g

Oberlippe

  • Birkenmaus: nicht gespalten
  • Brandmaus: gespalten ("Hasenscharte")

Verbreitung und Lebensraum

  • Birkenmaus: Vermutlich nur in der Nähe von Mooren, Flussniederungen, feuchten Hochstaudenfluren etc., Nachweise nur in Angeln, Verdachte im Kreis Storman
  • Brandmaus: Im Östlichen Hügelland und Teilen der Geest verbreitet, z.T. auch in Siedlungen und Gärten

Lebensweise

  • Birkenmaus: Nacht- und dämmerungsaktiv, klettert gerne auf Halmen etc.
  • Brandmaus: Oft tagaktiv, bodengebunden, klettert kaum